Presse-Impressionen Fair Resort Cup

    Von Michael Ulbrich

    Tamina Knauer aus Tauberbischofsheim gewinnt den Fair-Cup 2010

    Jena. Maike Hammers verfolgt das Duell auf der Hochbahn ganz genau. Gespannt beobachtet sie. wie sich Tamina Knauer und Leandra Behr belauern. ein lautes Trampeln - und Ausfallschritt. Treffer. Tamina Knauer   1:0. Maike Hammers klatscht  Beifall. Die Jenaerin ist beste Thüringerin  geworden beim Fair-Resort-Cup - und hat damit alle Erwartungen übertroffen. Platz zwölf  der Hammers ist ein Hammer „ich war taktisch diszipliniert“ sagt sie, schaut rüber zu ihrem Trainer Wolfgang Bohn und sagt trocken: Ich habe eben gemacht, was mein Trainer gesagt hat.“ Geahnt habe sie nicht. was sie da erreicht hat. Aber ich war dann einfach gut drauf.“ Für den Einzug ins Finale der besten Acht reichte es nicht. Noch nicht, wie sie betont, denn zweimal könne sie ja noch teilnehmen. „Und spätestens beim letzten Mal will ich um das Fahrrad mit fechten“. sagt sie. Dann dreht sie sich wieder dem laufenden Gefecht zu. Das ist schließlich spannend - zumindest am Anfang. Abwarten, Distanz halten, lauern, trampeln, Ausfallschritt - und Treffer. Bis zur ersten Pause führt Tamina Knauer schon 5:0.

    Experte Thomas Stanek erklärt. dass es schon problematisch sei, weil die Finalgegnerin auch aus Tauberbischofsheim komme. „Man kennt somit die Schokoladen-Aktionen seines Gegners.“ Ist ja klar. Wenn man tagtäglich miteinander trainiert. Also kommt es darauf an. Die besonderen Aktionen zu erfinden, die der andere nicht kennt“ sagt Stanek - das gelingt Knauer recht formidabel: 6:0. 7:0 zieht sie davon.

    Am Ende des zweiten Durchgangs führt die im Gegensatz zu Behr zwei Jahre ältere Knauer mit 8:3. Weil sie vielseitigen in ihren Aktionen sei, wie Stanek sagt. Es ist Knauers letzter Versuch, an das traditionelle Siegerfahrrad zu kommen. 2011 ist sie zu alt. Als Hobby gibt Knauer das Motorradfahren an - da kann so ein schmucker Drahtesel nicht schaden. Und so verteidigt sie ihren Vorsprung, sucht sich aus, wann sie offensiv wird und wann sie lieber das Weite sucht, bis auf 10:3 enteilt sie im letzten Drittel des Gefechts, Behrs Zwischenhoch zum 10:5 kontert Knauer geschickt: Abwarten, Distanz halten, lauern, trampeln, Ausfallschritt - und Treffer. 15:5 heißt es am Ende. 17:38 Uhr leuchtet zum letzten Mal die grüne Lampe auf. Dann ist die Sache erledigt. Knauer jubelt.

    6. Fair Cup 2010 - Finalgefecht

    Bis zur Siegerehrung verzieht sie sich lieber noch kurz muss dann aber einen letzten Sprint ansetzen, einen kurzen Slalom zwischen den Stühlen hinlegen und dann darf sie endlich lächeln.

    Auch das hat Maike Hammers ganz genau verfolgt. Irgendwann will sie da oben stehen, da oben fechten, da oben siegen. Sie müsse dafür eben nur tun, was ihr Trainer sagt, sagt ihr Trainer Wolfgang Bohn und lächelt.

    Lena, Holli und ein erster Schrei

    Begleitet: Lena-Martha Ebersbach

    Jena. Lena brüllt es ganz aus sich heraus. Ja! Und ist so gleich erschrocken über sich selbst. Lena -Martha Ebersbach hat geschrien. „Zum ersten Mal auf der Planche. Eigentlich mache ich das gar nicht“, erzählt die 15 Jahre alte Fechterin. Naja, was ist schon alles eigentlich? Papa Dirk steht seiner Lena bei. Und der Papa ist nicht alleine: „Das ist Holli“, sagt Lena und hält eine kleine Puppe im Frau-Holle-Kostüm nach oben. Sie soll Lena in den Direktausscheid der besten 64 verhelfen - als Glücksbringer! Sieben Stück habe sie davon, berichtet Lena Martha Ebersbach, Papa Dirk pflichtet ihr bei: „Die erste hat sie zur Geburt bekommen. Nach zwei Jahren war die dahin zweite Puppe dieser Art gekauft.“ Und weil Lena nur mit „Holli“ gut schlief, kam auch keine andere Puppe infrage. Doch als dann auch die zweite Holli nicht mehr das war, was sie mal war, wurde es kompliziert. „Wir wollten eine dritte Puppe kaufen, doch es gab sie nirgendwo mehr“, berichtet der Papa - flugs rief die Familie bei der Herstellerfirma an. „Und die nähten uns noch fünf Stück.“ Und seitdem ist eine der sieben Hollis immer dabei, wenn Lena Martha Ebersbach ficht.

    Glücksbringer von Lena-Martha Ebersbach

    Beim Fair-Resort-Cup am letzten Wochenende hatte sie auch ordentlich „Bock“, wie sie sagt. Bis in die zweite Zwischenrunde marschierte sie. Danach: „Hoffentlich kenne ich keine in meinem Tableau, das wäre besser“, sagt sie. Warum? „Weil ich dann ganz unvoreingenommen ran gehen kann. Habe ich schon mal gegen eine gefochten, mache ich mir unnötig Druck“, sagt Ebersbachs. 

    Sie schafft es nicht,  fliegt raus, verpasst den anvisierten Einzug unter die besten 64 Fechterinnen dieses Turniers. Zufrieden ist sie damit nicht. Trost spendet Holli und die Familie. 2011 wird sie wieder dabei sein - mit Holli und vielleicht Wieder einem ganz lauten Brüller.

    Das sagt Trainer Wolfgang Bohn zum Abschneiden seiner Schützlinge

    Maike Hammers Portrait

     12. Maike Hammers
    (25 Kämpfe – 15 Siege)

     „Das war der Hammer. Sie ist beste Thüringerin, weil sie zwei aus dem Weg geräumt hat, die besser sind als sie. Auf diese Steigerung kann man bauen. Sie hat taktisch sehr diszipliniert gefochten, nie locker gelassen. Realistisch gesehen: noch viel zu lernen.“

    Theresa Luge Portrait

    39. Theresa Luge
    (21 Kämpfe – 13 Siege)

    „Bei ihr ist noch mehr drin. Schön, dass sie den 64er-Direktausscheid geschafft hat. Platz 39 ist eine schöne Leistung. Die Quali für das Turnier in Tauberbischofsheim in vier Wochen ist damit geschafft. Sie ist aber noch zu viel mehr in der Lage.“

    Elisabeth Stoß Portrait

    40. Elisabeth Stoß
    (21 Kämpfe – 13 Siege)

    „Das ist eine Überraschung für mich. Sie hat eine ganz stabile Vorrunde gefochten, hohe Einsatzbereitschaft an den Tag gelegt. Sie muss noch lernen, taktisch diszipliniert zu arbeiten. Das hat Zukunft, was sie macht: Haltung, Fechten, Einsatz primar!“

    Lene Martha Ebersbach Portrait

    70. Lena Martha Ebersbach
    (17 Kämpfe – 9 Siege)

    „Mit einer großen kämpferischen Leistung hat sie es in die dritte Runde geschafft. Sie hat sich technisch verbessert in der Verteidigung gezeigt. Damit kann und muss man zufrieden sein – nach meinen mentalen Einflüssen hat sie die Kurve gekriegt.“

    Saskia Jahns Portrait

    73. Saskia Jahrs
    (18 Kämpfe – 10 Siege)

    „Sie hat stabil gefochten, aber ich bin nicht mit dem Abschneiden zufrieden. Sie hatte eine deutliche Chance, weiterzukommen. Und die hat sie verschenkt. Sie muss innerlich lockerer werden, die Balance die innere Ruhe finden.“

    Luise Kober Portrait

    101. Luise Kober
    (12 Kämpfe – 2 Siege)

    „Mit ihr bin ich nicht zufrieden, weil mehr drin war. In kämpferischer Position, im Durchsetzungsvermögen liegen ihre Reserven. Sie muss mehr Biss entwickeln. Technisch-taktisch ist sie auf einem guten Weg – allein es fehlt die Zweikampfhärte.“

    FAIR Cup Notizen

    Der Aufbau aller Bahnen dauerte drei Stunden, mit allem „Kleinkram“ waren die FSCler in vier Stunden fertig. Das geht nur dank eines guten Stammes an fleißigen Helfern.

    Mischa Böhme vom Fairt-Hotel konnte kaum glauben, als da doch tatsächlich ein „Schaukasten“ für den Kuchen in der „Kantine“ verhonepipelt wurde. „Das ist keine Kühlbox, das ist eine Sushibar“ sagte Böhme mit Augenzwinkern. Das allerdings verriet nur das Schild mit dem Namen des japanischen Herstellers.

    Noch ein Fahrrad bitte! Melinda Hajdu hieß die einzige ungarische Starterin. Moment, Hajdu, da war doch was: Im Februar dieses Jahres siegte nämlich jene welche schon in Jena. Doch warum ist sie als einzige Ungarin diesmal wieder dabei gewesen? Die Lösung ist simpel: Das erste Siegerfahrrad ging an die Mama – nun braucht der Papa eines. Na ja, Rang sieben: Knapp vorbei ist auch daneben.

    Ein letztes Mal auf der Planche stand wohl die „grande Dame“ des Jenaer Fechtens, Susanne Michaluk. Ihr Verein, der FSC Jena,  nutzte die Gelegenheit, die Zurückgetretene noch einmal zu ehren. Ein letztes „Allez“ von Clubchef Peter Kober und sanfte Worte von Trainer Wolfgang Bohn gab es obendrein. Adieu, Madame.

    Mal wieder Statler & Waldorf: Vortrefflich führten Thomas Stanek und Jürgen Kolarzik als Moderatoren durch das Finale.

    Gesagt

    „Ich gehorche immer Herrn Bohn, ich will nur ein Stück Schokolade.“
    Fechterin Lena Martha Ebersbach

    „Wenn ich mal im Fußball Trainer werde, geht es wieder vorwärts.“
    Trainer Wolfgang Bohn

    „Da hammers doch.“
    Hotel-Manager Mischa Böhme zum Abschneiden der Jenaerin Maike Hammers

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